Es beginnt oft unscheinbar. Ein Gedanke taucht auf — und kehrt wieder. Und wieder. Obwohl man schon weiß, dass er einem nichts nützt. Obwohl man es längst aufgeben wollte. Das Karussell dreht sich trotzdem.
Was viele Menschen in diesem Moment erleben, ist nicht einfach ‚zu viel nachdenken'. Es ist ein tiefes Gefühl von Ausgeliefertsein. Das Denken passiert einem — man selbst scheint keinen Zugriff darauf zu haben. Die Gedanken kommen, wann sie wollen. Nachts. Im Gespräch. Beim Aufwachen. Sie fordern Aufmerksamkeit, ohne etwas Brauchbares zu liefern. Und je mehr man versucht, sie zu stoppen, desto lauter werden sie.
Wer das kennt, hat oft schon vieles versucht: Ablenken. Rationalisieren. ‚Positiv denken'. Und trotzdem dreht sich das Rad weiter. Das liegt nicht an mangelndem Willen. Es liegt daran, dass Sorgen, Grübeln und Overthinking eigene Gesetze haben — und Gegenmittel brauchen, die genau dort ansetzen, wo das Muster entsteht.
»Sorgen sind kein Charakterfehler. Sie sind ein gelerntes Muster. Und was gelernt wurde, lässt sich verändern.«
Grübeln, Sorgen, Overthinking —
was ist eigentlich was?
Die Begriffe werden im Alltag oft synonym verwendet. In der klinischen Psychologie sind sie klar unterschieden — und das ist wichtig, um zu verstehen, welche Muster einen wirklich gefangen halten.
Grübeln (Rumination)
Kreisende Gedanken über Vergangenes — Fehler, Konflikte, Versäumnisse. Die klinische Psychologie spricht von Repetitivem Negativem Denken (RND): intrusiv, unkontrollierbar, ohne konstruktives Ergebnis. Stark assoziiert mit Depression.
Sorgen (Worrying)
Zukunftsbezogen: Was könnte passieren? Sorgen sind der Versuch, Kontrolle über das Unbekannte zu gewinnen — und das Kernsymptom der Generalisierten Angststörung. Stark assoziiert mit Angst.
Overthinking
Der Alltagsbegriff für beides — oder für die Mischform, wenn vergangene Situationen und zukünftige Szenarien gleichzeitig verarbeitet (und nicht gelöst) werden. Im Forschungskontext: Repetitives Negatives Denken (RND) als Oberbegriff.
Grübelzwang
Die klinisch schwerste Ausprägung: Gedankenkreisen, das sich ohne äußeren Anlass einstellt, als unkontrollierbar erlebt wird und ich-synton ist — die Gedanken fühlen sich als Teil der eigenen Person an.
Was alle drei verbindet: Das Denken führt nicht zu Lösungen. Es dreht sich im Kreis. Und es fühlt sich unkontrollierbar an. Wenn wir uns sorgen, stellen wir uns ein negatives Szenario vor. Das ist eine kognitive Leistung, die jedoch ins Leere führt. Wir simulieren das Schmlimm(st)e und erleben uns dem ausgeliefert.
Biermanns Schlüsselsatz lautet: Sorgen sind ein Missbrauch der Vorstellungskraft (Misuse of Imagination).
Das Sorgenprotokoll ist kein Entspannungsverfahren und kein kognitives Umstrukturierungsprogramm im klassischen Sinne. Es arbeitet gleichzeitig auf der sprachlichen, körperlichen und mentalen Ebene und verändert dadurch die innere Haltung zur Sorge nicht nur den Inhalt.
Wie verbreitet ist das Grübelkarussell —
und was macht es mit uns?
Chronisches Grübeln und Sorgen sind keine Randphänomene. Sie gehören zu den häufigsten psychischen Belastungen überhaupt — und ihre gesundheitlichen Folgen werden systematisch unterschätzt.
Zahlen & Fakten
(mit Quellen)
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73% der 25–35-Jährigen grübeln häufig
Studie Universität Michigan, zit. in Barmer / SciLogs Spektrum
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13,1% der Erwachsenen in Deutschland zeigten 2023 auffällige Angstsymptome
— RKI / Gesundheitsbericht-erstattung des Bundes, Nov. 2024
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8,1% erhielten 2024 in Deutschland eine Angststörungsdiagnose
— Tendenz steigend seit 2020 — RKI / GBE, Dezember 2025
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91% der Angstgedanken treten nie ein
— Penn State University (2019), Studie mit Probanden mit Generalisierter Angststörung
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Jede vierte Frau zwischen 18 und 29 Jahren ist auffällig durch Angstsymptome belastet
— RKI / GBE 2023
Was chronisches Grübeln körperlich anrichtet
Anhaltende Gedankenspiralen sind kein rein mentales Problem. Der Körper unterscheidet nicht zwischen eingebildeter und realer Bedrohung — er reagiert auf beide mit der gleichen Stressantwort.
Kurzfristige Folgen:
- Schlafschwierigkeiten — das Karussell dreht sich gerade dann, wenn alles still wird
- Konzentrationsprobleme und erhöhte Fehleranfälligkeit
- Gereiztheit und emotionale Erschöpfung
- Körperliche Anspannung, Herzrasen, Schwitzen
Langfristige Folgen:
- Dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel und erhöhte Herzrate
- Erhöhter Blutdruck und verminderte Herzratenvariabilität
- Signifikant erhöhtes Risiko für Depression und Angststörung
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
(Quelle: Oberberg Kiniken / Pathologisches Grübeln, Yang et al. 2021)
Was Sorgen so zäh macht
Sorgen haben drei Eigenschaften, die sie besonders hartnäckig machen:
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- Sie sind passiv: Man stellt sich etwas Negatives vor, ohne einen Handlungsplan zu entwickeln.
- Sie sind diffus: Sorgen hängen ineinander wie ein Knäuel aus Befürchtungen, das sich mehr und mehr verheddert.
- Sie sind scheinbar nützlich: Das Gehirn interpretiert das Sorgen als Vorbereitung. Es fühlt sich an wie Kontrolle, obwohl es tatsächlich lähmt. Das macht es auch so schwer, »einfach« aufzuhören.
Overthinking schüttet kurzfristig Dopamin aus — das Gehirn erlebt das ständige Durchdenken als eine Art Aktivität und empfindet es als ‚nützlich'. Das macht Grübeln zu einer echten neuronalen Gewohnheit. Man wird nicht aus Schwäche zum Grübler, sondern weil das Gehirn gelernt hat, dass Grübeln Sicherheit simuliert.
(Quelle: familienservice.de, unter Berufung auf Grübelforschung)
Was Betroffene wirklich erleben —
und was dahintersteckt
Wer unter chronischem Grübeln leidet, erlebt sich häufig als ohnmächtig gegenüber dem eigenen Denken. Nicht »Ich denke zu viel« — sondern: «Die Gedanken kommen einfach. Ich kann nichts dagegen tun.« Dieses Erleben von Kontrollverlust ist eines der zentralen Kennzeichen pathologischen Grübelns: Es fühlt sich intrusiv an — eindringend, uneingeladen, unkontrollierbar.
Und dennoch — das ist entscheidend — steckt in jedem Grübelmuster eine positive Absicht. Das Gehirn versucht, sich zu schützen. Es simuliert Bedrohungsszenarien, weil es glaubt, damit Gefahren abwenden zu können. Es wiederholt vergangene Situationen, weil es hofft, rückwirkend doch noch eine Lösung zu finden. Es sorgt sich um die Zukunft, weil es vorbereitet sein möchte.
»Wir denken das Negative, aber wir planen es nicht. Beim Denken über das Negative sind wir Opfer. Mit uns passiert etwas, andere haben die Handlungsmacht«
Diese Perspektive — das Sorgenmuster nicht als Feind, sondern als missverstandenen Schutzversuch zu verstehen — ist der Ausgangspunkt meiner Arbeit. Wer versteht, warum das Denken kreist, kann sich ihm anders zuwenden: mit Mitgefühl statt mit Widerstand, mit Neugier statt mit Scham.
Wie ich das Sorgenprotokoll in einen größeren Rahmen einbinde
Das Sorgenprotokoll nach Dr. Steve Bierman ist ein kraftvolles, klar strukturiertes Werkzeug. In meiner Arbeit setze ich es nicht isoliert ein — sondern als Teil eines ganzheitlicheren Rahmens, der drei Dimensionen verbindet:
1. Ressourcenarbeit als Fundament
Das Sorgenprotokoll entfaltet seine volle Wirkung, wenn Menschen bereits Zugang zu inneren Ressourcen haben. Sicherheit, Erdung und Körperwahrnehmung schaffen den Boden, auf dem das Protokoll arbeiten kann. Ressourcenübungen bereiten diese Basis vor und begleiten den Prozess.
2. Arbeit mit inneren Anteilen
Hinter jedem Grübelmuster steht oft ein innerer Anteil, der schützen möchte. Die Arbeit mit inneren Anteilen macht sichtbar, welche Teile von uns das Sorgenkarussell am Laufen halten — und was sie eigentlich brauchen. Das Sorgenprotokoll gibt diesem Anteil eine neue Möglichkeit: aktiv handeln statt passiv grübeln.
3. Gesunde Selbstführung: positive Absicht und verletztes Bedürfnis
Der Blick auf die positive Absicht hinter dem Muster und das verletzte Bedürfnis darunter — das ist der Kern gesunder Selbstführung. Nicht Kontrolle. Verstehen. Das Sorgenprotokoll ist in diesem Rahmen ein Schritt aus dem Kopf heraus in die Handlungsfähigkeit — oft innerhalb einer einzigen Sitzung spürbar.
Das eigentliche Ziel ist die Vorstellungskraft so zu schulen, dass sie produktiv, handlungsorientiert und lösungsfokussiert nutzbar wird.
Wenn du mehr über die Methode selbst erfahren möchtest, lies weiter. Im nächsten Abschnitt stelle ich Dr. Steve Bierman und sein Sorgenprotokoll Schritt für Schritt vor.
Wer ist Dr. Steve Bierman?
Dr. Steve Bierman ist ausgebildeter Notfallmediziner, Hypnotherapeut und Vordenker der sogenannten Noetischen Medizin — einer Richtung, die den Einfluss von Ideen, Sprache und Überzeugungen auf Gesundheit und Heilung in den Mittelpunkt stellt.
Sein Werdegang: Medizinstudium an der Northwestern University School of Medicine, fast 20 Jahre als Notfallmediziner am Scripps Memorial Hospital in Encinitas, Kalifornien. Dort machte er eine Schlüsselbeobachtung: Viele Patienten hatten für ihre körperlichen Beschwerden plausible psychologische Erklärungen — doch die konventionelle Medizin ließ dafür keinen Raum.
1985 begann er, NLP und medizinische Hypnose nach Milton Erickson zu studieren. Seither entwickelte er die Exquisite Art of Caregiving — Sprache als präzises Heilungswerkzeug.
Stationen & Werke
- HEALING – Beyond Pills & Potions (2020 Best Indie Book Award für Sachbuch/Gesundheit)
- Das Ende aller Sorgen / The End of Worry — das Buch zum Sorgenprotokoll
- Mit Sprache heilen (deutsch, Junfermann Verlag, 2023)
- Lehrauftrag Medizinische Hypnose an der UCSD School of Medicine (seit über 20 Jahren)
- Direktor der Noetic Medicine Initiative, Andrew Weil Center for Integrative Medicine, University of Arizona
- Über 200 Medizintechnik-Patente
»Ich begann zu erkennen, dass in jedem Heilungsritual im Grunde dieselbe Suggestion steckt: Wenn du dich dieser Behandlung unterwirfst, wird das versprochene Ergebnis eintreten.«
Wie ist die Methode einzuordnen?
Das Sorgenprotokoll ist keine isolierte Entspannungstechnik. Es verbindet drei wissenschaftlich fundierte Strömungen:
Medizinische Hypnose
Nicht als Tranceinduktion, sondern als präzise geformte Sprache, die das Unbewusste erreicht — ohne formale Hypnosesitzung. Bierman versteht Hypnose als »Verfeinerung alltäglicher Kommunikation«.
Neurolinguistisches Programmieren (NLP)
Die Überzeugung, dass Sprache neuronale Muster formt und gezielt umstrukturiert werden kann — basierend auf der Arbeit von Bandler & Grinder sowie Milton Erickson.
Noetische Medizin (Mind-Body-Medizin)
Ideen und Überzeugungen haben direkte physiologische Wirkungen — analog zum Placebo-Effekt, aber bewusst eingesetzt. Das Sorgenprotokoll nutzt diese Wirkung durch gezielte Sprache und paradoxe Körper-Geist-Intervention.
Für wen ist das Protokoll geeignet?
- Coaching & Lebensberatung — strukturiertes Werkzeug für festgefahrene Grübelmuster
- Psychotherapeutische Praxis — als psychoedukative und intervenierende Methode
- Hypnotherapie — als eigenständiges Protokoll oder in Kombination
- Selbstanwendung — bei chronischem Grübeln, Zukunftssorgen, Einschlafschwierigkeiten
- Prüfungs- und Versagensangst, existenzielle Lebenssorgen, allgemeine Zukunftsangst
Hinweis: Das Protokoll ist keine klinische Therapie und ersetzt keine professionelle Behandlung bei klinisch relevanten Angststörungen. Bei anhaltender oder schwerer Symptomatik ist fachliche Begleitung empfohlen.
Warum wirkt das Sorgenprotokoll?
Vom passiven Opfer zum aktiven Planer
Der Wechsel vom Sorgen-Denken zum konkreten Handlungsplan (Schritt 2) aktiviert andere neuronale Netzwerke. Planung ist aktiv und lösungsfokussiert — Sorgen sind es nicht. Dieser Perspektivwechsel verändert die emotionale Valenz einer Situation grundlegend.
Kognitive Dissonanz als Werkzeug
Die Spiegeltechnik (Schritt 3) erzeugt bewusst einen Widerspruch zwischen Sprache und Körpersprache. Das Gehirn muss gleichzeitig eine Aussage formulieren und körperlich das Gegenteil signalisieren — das unterbricht eingefahrene Denkmuster auf einer sehr tiefen Ebene.
Körperliche Entspannung als Anker
Die Atemübung und Zungenentspannung (Schritt 4) aktivieren das parasympathische Nervensystem und signalisieren dem Körper: Die Bedrohung ist vorbei. Das schafft einen physiologischen Anker, der die kognitive Arbeit der vorherigen Schritte vertieft.
Die Kraft der gezielten Sprache
Biermans gesamtes Werk dreht sich um die Überzeugung, dass Sprache direkte biologische Wirkung hat. »Worte wirken — immer und in jede Richtung«, schreibt er in Mit Sprache heilen. Das Protokoll nutzt diese Kraft: Die 20 paradoxen Fragen der Spiegeltechnik fordern das Gehirn heraus, seine eigene Wahrheit zu behaupten — gegen die sprachliche Suggestion.
Das Sorgenprotokoll —
die 4 Schritte
1
Identifiziere die Sorge
Sorgen bilden ein Knäuel — wir arbeiten immer nur mit einer konkreten Sorge, nie mit einem Thema. Nicht »die Zukunft«, sondern konkret »Ich fürchte, dass…«.
2
Decke die eigentliche Angst auf
Hinter jeder Sorge verbirgt sich eine tieferliegende Angst. Diese Ebene ist entscheidend: Was fürchte ich wirklich? Was steht für mich auf dem Spiel?
3
Plane das Negative
Entwickle eine konkreten Handlungsplan für den Fall, dass das Befürchtete wirklich eintritt. Wer aktiv plant, hört auf passives Opfer der eigenen Gedanken zu sein. Hier findet eine grundlegende Verschiebung statt.
4
Plane und beabsichtige das positive Ergebnis
Richte deine Aufmerksamkeit jetzt bewusst auf das Positive – als konkrete Absicht. Was wird möglich, wenn die Sorge keine Kraft mehr über mich hat?
»Through the Looking Glass« – Die Spiegeltechnik als Musterunterbrechung
Das Herzstück des Sorgenprotokolls – die sogenannte Spiegeltechnik – liegt zwischen Schritt 3 und 4 und wird als Pause in drei Teilen inszeniert.
Teil 1: Die Perspektive wechseln
Nach Schritt 3 nimmt der Klient eine neue Perspektive ein und wird zum neutralen Beobachter. Dazu setzt er sich um. Vom neuen Platz aus wird er angeregt, sich selbst in seiner Situation zu beobachten. Als Mensch, der sich sorgt, der seine Angst identifiziert hat und das eigene Handeln für den negativen Outcome plant. Sich selbst in all der Spannung des Sorgens zu beobachten, erzeugt wertvolle Momente des Wohlwollens und Mitgefühls und verstärkt die eigentliche Arbeit am Ziel (Compliance).
Teil 2: Eingefahrene Denkmuster unterbrechen
GRUPPE 1 — Sprachlich JA sagen + gleichzeitig Kopf schütteln (NEIN)
Positiver Inhalt: Die Fragen bejahen den Wunsch nach Veränderung. Laut »Ja« antworten — gleichzeitig den Kopf schütteln.
Fragen (Auswahl)
(laut vorlesen)
Sprachlich
Körperlich
1
Sie lernen gerade die 4 Schritte der Anti-Sorgen-Methode, stimmt's?
JA (laut)
Kopf schütteln
2
Weil Sie sich keine Sorgen mehr machen möchten, nicht wahr?
JA (laut)
Kopf schütteln
3
Denn all die Sorgen, die Sie sich gemacht haben, machen Sie unglücklich, richtig?
JA (laut)
Kopf schütteln
4
Und Sie wollen doch glücklich sein, oder?
JA (laut)
Kopf schütteln
5
Und Sie wollen aufhören, Ihre Vorstellungskraft zu missbrauchen, stimmt's?
JA (laut)
Kopf schütteln
GRUPPE 2 — Sprachlich NEIN sagen + gleichzeitig Kopf nicken (JA)
Negativer Inhalt: Die Fragen verneinen den Veränderungswunsch. Laut »Nein« antworten — gleichzeitig nicken.
Fragen (Auswahl)
(laut vorlesen)
Sprachlich
Körperlich
11
Und Sie haben nicht die Absicht, die 4 Schritte der Anti-Sorgen-Methode zu erlernen, stimmt's?
NEIN (laut)
Kopf nicken
12
Weil Sie sich weiter Sorgen machen wollen, oder?
NEIN (laut)
Kopf nicken
13
Sie wollen weiterhin Ihre Vorstellungskraft missbrauchen, nicht wahr?
NEIN (laut)
Kopf nicken
14
Also werden Sie sich einfach weiter Sorgen machen, stimmt's?
NEIN (laut)
Kopf nicken
15
Und Sie werden Ihre Sorgen nicht identifizieren, richtig?
NEIN (laut)
Kopf nicken
Teil 3: Körperpause – Die Zungen fallen lassen
Unmittelbar nach den 20 insgesamt Fragen folgt die Körperpause. Sie schließt die kognitive Arbeit körperlich ab.
Die Zungenentspannung ist kein Zufall — die Zunge ist eines der aktivsten Organe beim inneren Sprechen und Grübeln. Sie zur Ruhe zu bringen, bedeutet auch, den inneren Dialog zu pausieren und das parasympathische Nervensystem zu aktivieren.
- Zweimal tief und langsam ein- und ausatmen.
- Zunge im Mund nach unten sinken lassen — »still wie ein Stein«, kein Zittern, kein Zucken.
- Nochmals zweimal tief atmen.
- Aufstehen und an den Ausgangsplatz zurückkehren.
»Die Zunge ist eines der aktivsten Organe beim Grübeln. Sie zur Ruhe zu bringen, bedeutet auch, das innere Gespräch zu unterbrechen .«
Was macht diese Methode so besonders?
Das eigentliche Ziel – die Vorstellungskompetenz stärken
Biermans Ziel ist es, die bislang missbräuchliche Vorstellungskraft des Sorgens und Grübelns umzulenken. Seine Methode zielt darauf ab, die Selbstwirksamkeit um Umgang mit Sorgen zu stärken und neue Kompetenzen aufzubauen. Er trainiert drei Bewegungen mit der Vorstellungskraft: sich das Negative als passives Opfer vorstellen (Sorgen), das Negative durchdenken als aktiver Gestalter (Planen), sich das Positive vorstellen als innere Ausrichtung auf ein gewünschtes Ergebnis (Beabsichtigen).
Sorgen sind keine Wahrheiten. Sie sind Gewohnheiten. Und Gewohnheiten lassen sich ändern — wenn man weiß, wie.
Das Sorgenprotokoll trainiert alle drei Bewegungen in genau dieser Reihenfolge. Wer es einmal durchgeführt hat, versteht nicht nur kognitiv, was Sorgen sind. Er hat auch die Verschiebung im Erleben erfahren.
Das Sorgenprotokoll ist aus mehreren Gründen bemerkenswert:
- Es ist klar strukturiert, ohne mechanisch zu sein.
- Es kombiniert kognitive Arbeit (Planung des Worst Case) mit körperlichem Erleben (Spiegeltechnik, Atemübung).
- Es verändert die innere Haltung zur Sorge grundlegend — nicht nur das Denken.
- Es vermittelt Kontrollerleben oft innerhalb einer einzigen Sitzung.
- Es lässt sich in einen größeren therapeutischen Rahmen einbetten — mit Ressourcenarbeit, inneren Anteilen und Selbstführung.
Quellen & weiterführende Informationen
- Steve Bierman: Das Ende aller Sorgen / The End of Worry (Gyro Press)
- Steve Bierman: HEALING – Beyond Pills & Potions (2020 Best Indie Book Award)
- Steve Bierman: Mit Sprache heilen (Junfermann Verlag, 2023)
- healingbeyondpills.com — Offizielle Website Dr. Steve Bierman
- Andrew Weil Center for Integrative Medicine, Univ. Arizona — Podcast Episode #35
- RKI / GBE: Angstsymptome-Prävalenz 2023 & Angststörungs-Prävalenz 2024 — gbe.rki.de
- Studie Univ. Michigan (zit. in Barmer.de / SciLogs Spektrum.de): 73 % grübeln häufig
- Penn State University (2019): 91 % der Angstgedanken treten nie ein
- Oberberg Kliniken: Pathologisches Grübeln — körperliche Folgen
- Wikipedia: Grübeln (Rumination) — Abgrenzung der Begriffe
- Dr. Julia Funk, LMU München (zit. in Apotheken Umschau): Definition RND



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