Wenn Funktionieren nicht mehr reicht
Es ist ein ganz normaler Dienstag. Dritte Stunde, Klasse 8b. Du stehst vorne, erklärst, moderierst, hältst alles zusammen – und irgendwo im Hinterkopf läuft gleichzeitig das Elterngespräch von morgen früh, die nicht fertig korrigierte Klassenarbeit, die Mail der Schulleitung von gestern Abend.
Du funktionierst. Und das schon seit Jahren.
Aber irgendwann kommt der Moment, in dem du merkst: Das bin nicht mehr wirklich ich. Ich reagiere nur noch, anstatt zu gestalten.
Das ist ein typischer Ausgangspunkt für Lehrercoaching.
»Was der Lehrer ist, ist wichtiger als das, was er lehrt.«
Ein Beruf, der mehr trägt, als er zeigt
Von außen betrachtet sieht der Lehrerberuf oft überschaubar aus. Wer nicht täglich darin steckt, sieht: Unterricht, Pausen, Ferien.
Was tatsächlich passiert, ist erheblich komplexer. Lehrkräfte sind Wissensvermittler – aber längst nicht nur das. Sie sind gleichzeitig Bezugspersonen, Konfliktmoderatoren, Elternansprechpartner, Diagnostiker und nicht selten auch Krisenmanager. Und das alles innerhalb von Strukturen, die wenig Spielraum lassen.
Stundenpläne, Klassenkonstellationen, Anforderungen von Schulleitung, Eltern und Bildungsbehörden – vieles ist vorgegeben. Die eigene Regeneration, die bewusste Gestaltung des eigenen Arbeitstags? Bleibt dabei oft auf der Strecke.
Das Besondere an diesem Beruf ist seine Wirkungstiefe. Er berührt echte Lebensläufe. Darin liegt seine Kraft – und gleichzeitig eine seiner größten Belastungsquellen.
AVEM - Belastungsmuster im Lehrerberuf
Die Potsdamer Lehrerstudie wurde unter Leitung von Prof. Dr. Uwe Schaarschmidt am Lehrstuhl für Psychologie der Universität Potsdam durchgeführt und 2005 veröffentlicht. Sie ist eine der umfangreichsten wissenschaftlichen Untersuchungen zur psychischen Gesundheit von Lehrkräften im deutschsprachigen Raum – mit über 7.600 Lehrpersonen aus verschiedenen europäischen Ländern sowie fast 740 deutschen Lehramtsstudierenden.
Das Besondere daran: Die Studie fragt nicht nur, wie belastet Lehrkräfte sind. Sie fragt, wie sie innerlich damit umgehen. Dieser Unterschied ist entscheidend – denn er verschiebt den Blick von äußeren Bedingungen hin zu persönlichen Mustern. Und diese Muster lassen sich verändern.
Das Instrument dafür heißt AVEM: Arbeitsbezogene Verhaltens- und Erlebensmuster. Ein Fragebogen, der über 11 Dimensionen hinweg erfasst, wie Menschen mit beruflichen Anforderungen umgehen – nicht nur auf der Verhaltensebene, sondern auch emotional und in ihrer inneren Haltung zur Arbeit.
Die 11 Dimensionen des AVEM
Bereich 1: Arbeitsengagement
- Subjektive Bedeutsamkeit der Arbeit – welchen Stellenwert die Arbeit im Leben einnimmt
- Beruflicher Ehrgeiz – das Streben nach beruflichem Aufstieg und Erfolg
- Verausgabungsbereitschaft – die Bereitschaft, persönliche Kraft für die Arbeit einzusetzen
- Perfektionsstreben – der Anspruch an die Güte der eigenen Arbeitsleistung
- Distanzierungsfähigkeit – die Fähigkeit zur psychischen Erholung von der Arbeit
Bereich 2: Widerstandskraft / Bewältigung
- Resignationstendenz bei Misserfolg – die Neigung, bei Misserfolg aufzugeben
- Offensive Problembewältigung – die aktive, lösungsorientierte Herangehensweise an Probleme
- Innere Ruhe und Ausgeglichenheit – das Erleben psychischer Stabilität
Bereich 3: Emotionen
- Erfolgserleben im Beruf – die erlebte Zufriedenheit mit dem beruflich Erreichten
- Lebenszufriedenheit – die generelle Zufriedenheit mit der gesamten Lebenssituation
- Erleben sozialer Unterstützung – das Gefühl, durch nahestehende Menschen Rückhalt zu erfahren
Die vier Muster – welches erkennst du an dir?
Aus der Erhebung ließen sich vier prototypische Muster ableiten, die das Verhältnis von Engagement zu Belastbarkeit ausdrücken.
Links sind die beiden Gesundheitsmuster (G und S), rechts die beiden Risikomuster (A und B).
Muster G – das Gesundheitsmuster
Starkes, aber nicht überzogenes Engagement. Hohe Belastbarkeit. Emotionale Stabilität. Zufriedenheit im Beruf.
Menschen mit Muster G sind präsent, ohne sich zu verlieren. Sie engagieren sich – und wissen gleichzeitig, wann genug genug ist. Sie regenerieren sich wirklich in der Freizeit.
Das ist das Zielmuster – aber in der Studie bei nur 17 % der Lehrkräfte zu finden.
Risikomuster A – übermäßige Anstrengung
Überhöhtes Engagement bei eingeschränkter Widerstandskraft – »Selbstüberforderung«. Geringe Zufriedenheit trotz – oder gerade wegen – des großen Einsatzes.
Menschen mit Risikomuster A geben viel, bekommen wenig zurück und merken oft gar nicht, wie weit sie sich dabei von sich selbst entfernt haben. Erschöpfung schleicht sich ein. Regeneration findet kaum statt.
2005 zeigte die Studie: Über 60 % der untersuchten Lehrkräfte ließen sich diesem Muster zuordnen.
Muster S – die Schonhaltung
Zurückhaltung im Engagement bei gleichzeitig guter Widerstandsfähigkeit und relativer Zufriedenheit – tendenziell unterfordert oder distanziert
Wer Muster S zeigt, hat oft innerlich eine Entscheidung getroffen: Ich gebe, was ich geben kann – aber nicht mehr. Das schützt kurzfristig. Langfristig kann es auf Kosten der Freude am Beruf gehen.
Risikomuster B – Burnout-Nähe
Burnout-nahe Konstellation – Chronische Erschöpfung, Resignation, geringe innere Distanzierungsfähigkeit zum Beruf.
Risikomuster B ist das problematischste – und oft der Endpunkt eines langen Prozesses, der unbemerkt mit Risikomuster A begann. Hier sind die gesundheitlichen Beeinträchtigungen am stärksten ausgeprägt.
Warum Lehrercoaching kein Luxus ist
In der öffentlichen Wahrnehmung wird der Lehrerberuf häufig verkürzt dargestellt. Zwischen Erwartungen, Kritik und unterschwelliger Abwertung entsteht ein Spannungsfeld, das zusätzlich zehrt.
Viele Lehrkräfte reagieren darauf mit einem Muster, das ich in meiner Arbeit immer wieder beobachte: Sie funktionieren weiter. Sie leisten, tragen Verantwortung, halten alles aufrecht – und verdrängen dabei, dass der Raum für sich selbst immer kleiner wird.
Coaching setzt genau hier an. Nicht als klassische Fortbildung, nicht als Methodenanleitung für besseren Unterricht. Sondern als Raum für die eigene Person im System.
Die entscheidende Frage ist nicht: Wie mache ich meinen Unterricht besser? Sondern: Wie bleibe ich unter diesen Bedingungen gesund, klar und handlungsfähig – ohne mich dabei zu verlieren?
Was sich im Coaching wirklich verändert
Im Schulalltag bleibt keine Zeit zum Nachdenken. Man reagiert – auf die Klasse, auf Kollegen, auf Eltern, auf die nächste Anforderung. Irgendwann funktioniert das so reibungslos, dass man kaum noch merkt, wie automatisch viele Reaktionen bereits ablaufen.
Coaching schafft Verlangsamung. Es gibt Raum, die eigenen Muster überhaupt erst zu sehen. Was löst bei mir Stress aus – und warum gerade das? Wann bin ich wirklich bei mir, wann reagiere ich nur noch? Welche inneren Antreiber steuern mein Handeln, ohne dass ich es bewusst entscheide?
Sich selbst vollständig zu reflektieren ist dabei nur begrenzt möglich – wir sind immer Teil unseres eigenen Systems. Ein professioneller Blick von außen ermöglicht Perspektiven, die im Alleingang nicht entstehen können.
Wie sysTEACH® Coaching ansetzt
Im sysTEACH® Coaching steht die mentale Gesundheit im Zentrum. Als ganz konkrete Fähigkeit. Diese Fähigkeit umfasst Gedanken, Gefühle und Verhalten.
Mentale Gesundheit geht Hand in Hand mit Selbstführung und ist die Grundlage meiner Haltung und Arbeit in der Begleitung, denn: Ich kann andere nur dann wirklich gut führen, wenn ich mich selbst führen kann.
Mentale Gesundheit für Lehrkräfte
Es ist Sonntag, kurz nach dem Mittagessen. Eigentlich ist Wochenende. Eigentlich ist noch ein ganzer Nachmittag Zeit. Aber dein Kopf ist schon woanders – bei der ersten Stunde morgen. Bei dem Schüler, mit dem es letzte Woche schwierig war. Bei der Mail, die du noch schreiben müsstest. Bei der Klassenarbeit, die noch nicht fertig korrigiert ist.
Der Körper sitzt am Esstisch. Der Kopf steht schon vor der Klasse.
Wenn du diesen Zustand kennst, geht es in diesem Text um dich.
Was hier eigentlich passiert
Viele Lehrkräfte halten diesen Zustand für normal. »Das ist halt der Job.« »Sonntags bin ich immer schon angespannt, das war schon immer so.«
Aus fachlicher Sicht ist keine berufliche Selbstverständlichkeit. Es ist ein Signal: Dein System schaltet nicht mehr in den Erholungsmodus. Der Stress des letzten Schultags ist noch nicht abgeklungen, da beginnt schon die innere Vorbereitung auf den nächsten. Das Wochenende verliert seine eigentliche Funktion – nämlich Regeneration zu ermöglichen.
Mentale Gesundheit zeigt sich nicht daran, dass du keinen Stress hast. Sie zeigt sich daran, ob du nach dem Stress wieder zu dir zurückfindest. Und das hängt sehr stark davon ab, wie gut du dich regulieren kannst.
Wo liegt dein Hebel für den Umgang mit Herausforderungen?
Viele Belastungen entstehen nicht allein durch äußere Anforderungen – sondern durch die Art, wie wir innerlich auf sie reagieren. Darin liegt ein enormer Hebel für Veränderung.
Mentale Gesundheit bedeutet die Fähigkeit, mit den Anforderungen des Berufs in Kontakt zu bleiben – ohne sich dabei dauerhaft zu verlieren.
Im sysTEACH®-Coaching arbeiten wir konkret an diesen Aspekten
- Du erkennst deine eigenen Kommunikationsmuster – und wie du sie sinnstiftend verändern kannst
- Du verstehst deine inneren Antreiber, die im Hintergrund laufen und Entscheidungen steuern
- Du lernst eigene Bedürfnisse wieder ernst zu nehmen
- Du kannst deinen Sinn im Beruf neu greifen, wenn er sich im Alltag verloren hat
Mentales Abschalten (psychological detachment)
Damit meint die Arbeitspsychologie die Fähigkeit, in der Freizeit gedanklich loszulassen von der Arbeit – nicht nur das Schulgebäude zu verlassen, sondern auch innerlich. Sie gilt als einer der wichtigsten Schutzfaktoren vor chronischer Erschöpfung.
Wer am Sonntag Mittag im Kopf schon vor der Klasse steht, kann gerade nicht abschalten – und das hat Folgen für die Erholung.
Fünf Bereiche, in denen sich mentale Gesundheit zeigt
- Wie du mit Stress umgehst – ob du nach einer schwierigen Stunde wieder runterkommst oder den ganzen Tag damit weiterläufst.
- Wie du dich fühlst – ob das Wochenende sich als Wochenende anfühlt oder nur als Pause zwischen zwei Arbeitswochen.
- Wie du denkst – ob deine Gedanken sich abschalten lassen oder im Hintergrund weiterlaufen wie ein offener Browser-Tab.
- Wie du mit anderen Menschen umgehst – ob du am Sonntagnachmittag wirklich bei deiner Familie oder im Hier und Jetzt bist oder nur körperlich anwesend.
- Wie du Probleme angehst – ob du am Montagmorgen mit Energie startest oder schon erschöpft beginnst, bevor der erste Schüler den Raum betreten hat.
Methoden, die nicht nur erklären – sondern verändern
Im sysTEACH®-Coaching arbeiten wir auf mehreren Ebenen. Wer jahrelang unter hoher Belastung gearbeitet hat, trägt das nicht nur als Gedanken mit sich – sondern oft auch körperliche »Zeugen«. Verspannungen, Schlafprobleme, innere Unruhe, um nur eine kleine Auswahl zu nennen.
Auch das sind Themen, die sich im Coaching ursächlich gut erreichen lassen.
Je nach Thema kommen hierfür unterschiedliche Ansätze zum Einsatz:
- Arbeit mit dem Inneren Team – um innere Konflikte und Antreiber sichtbar zu machen
- Hypnose und Selbsthypnose – um tief verankerte Muster auf einer anderen Ebene anzusprechen
- emTrace® Emotionscoaching – für die Regulierung emotionaler Muster und für das Lösen von emotionalen Blockaden
- EMDR, EFT und PEP – zur Regulierung emotionaler Reaktionsmuster mit belastenden Erfahrungen, die im Körpergedächtnis gespeichert sind
Diese Methoden ermöglichen echte Veränderung durch erlebte Erfahrung.
Selbstführung als Game-Changer
Lehrercoaching ist keine Maßnahme für Ausnahmesituationen. Es ist eine Form der Unterstützung, die den Kern des Berufs ernst nimmt.
Ein System, das so viel von Menschen verlangt, braucht Räume, in denen diese Menschen wieder bei sich selbst ankommen dürfen.
Selbstführung ist dabei kein Luxus. Sie ist die Grundlage dafür, langfristig gesund, klar und wirksam zu bleiben – im Beruf und darüber hinaus.
Denn Veränderung beginnt immer innen – bevor sie außen sichtbar wird.
Du möchtest raus aus dem Funktionieren - jenseits von Erschöpfung und Pflichtgefühl?
Wenn du das Gefühl kennst, mehr zu funktionieren als wirklich da zu sein – dann lass uns darüber sprechen. Ein erstes Kennenlerngespräch ist unverbindlich.
Ich begleite dich mit dem, was ich bin: Pädagogin und ehemalige Lehrkraft, Emotionscoach, Integrative systemische Therapeutin, klinische Hypnosetherapeutin, Mikronährstoffexpertin | Darmgesundheitsberaterin und vor allem als Mensch.
Mit Methoden, die sich ergänzen. Mit einem Blick, der dich als ganzen Menschen sieht.
Ich freue mich auf dich.



0 Kommentare